Die Durchgeknallten vom Nationaltheater Seine Besucher sollen ihr bourgeoises Leben jetzt mit dem Rest der Welt accomodieren

Von Eberhard Will, Mannheim

“Und bringt Eure Bomben mit, wir sind am Extremismus nicht unschuldig.“ Natürlich war der Selbstmordattentäter vom Sonntag in Ansbach nicht zuvor im Mannheimer Nationaltheater, so dass er diesen Appell im Schlusschor von “Die Schutzflehenden“ hätte hören können. Auch hat er wohl kaum die Kritik von Ralf-Carl Langhans im Mannheimer Morgen oder auf nachtkritk.de mit diesem Textzitat gelesen.

Die Aufführung unter der Regie von Volker Lösch läuft seit dem 22.Mai vor ziemlich ausverkauftem Haus. Sie verknüpft die “Hiketiden“ von Aischylos (geschrieben ca. 500 Jahre v.Chr.) mit den aktuellen Versuchen, die von der Kanzlerin beschleunigte Migrationsflut 2015/16 administrativ einigermaßen rechtsstaatlich in den Griff zu bekommen. Dass dabei für die Akteure jede Menge Dilemmata entstehen, weil widerstreitende rechtliche, moralische und praktische Anforderungen zu berücksichtigen sind, liegt auf der Hand. Es ist die klassische Situation der griechischen Tragödie: Wie man es auch macht, ist es falsch, und die ganze Geschichte kann eigentlich nur unglücklich enden.

Der Plot der Aufführung ist gut, die Aktualisierungen packend, die Regieeinfälle originell, die Dramaturgie kurzweilig, die Schauspieler leidenschaftlich, die teils schwierigen Texte des Chores meist verständlich artikuliert. Gutes bis sehr gutes Theater also. Wenn nur die durchgeknallte, plattdumme politische Agitation nicht wäre, die uns der rotgrün benebelte Chor am Ende mit dem Holzhammer in den Kopf zu dreschen sucht. Linksdeutscher Selbsthass und meganaives Gutmenschentum haben den folgenden suizidalen Text (Auszug) ersonnen:

„Liebe Bürgerinnen und Bürger, es ist vorbei! Es gibt kein Recht auf ein von der Geschichte unbelästigtes Leben. Ganz im Ernst – es ist vorbei! Dass sich das christliche Abendland einer wachsenden Einflussnahme des Islam entziehen konnte – es ist vorbei. Dass die deutsche Sprache das Zentrum unserer Identität ist – es ist vorbei. Dass die deutsche Kleinfamilie die Keimzelle unserer Gesellschaft ist – es ist vorbei. Dass wir eine hohe ethnische Homogenität in Deutschland haben – es ist vorbei. Dass   hier Einwanderer eine Bringschuld hätten – es ist vorbei. Das bei der Einwanderung die Interessen Deutschlands als Sozialstaat, Wirtschafts- und Kulturnation im Vordergrund stehen – es ist vorbei! …………………………

Menschen außerhalb Europas nehmen sich das Recht, teilzuhaben an der Welt des Reichtums, an der Welt der Reisefreiheit, an der Welt der Niederlassungsfreiheit.

Und deshalb geht es auch nicht um Mitleid.  ……………… Es geht darum, hier den Trend zu akzeptieren, dass heute schon viele Geflüchtete und Illegale wie Bürgerinnen und Bürger mit uns leben, zu akzeptieren, dass immer mehr Menschen zu uns kommen, weil wir ihre Länder zerstören, zu akzeptieren, dass weltweite Gerechtigkeit für uns Verzicht bedeutet.

Jeder Mensch hat das Recht, sein Land zu verlassen. Das steht in der Erklärung der Menschenrechte. Aber da steht nicht, jeder hat das Recht in ein anderes Land einzuwandern. Wir brauchen also ein Welt-Bürgerrecht – für alle – weltweit! …………………..

Liebe Flüchtende und Geflüchtete, Nothelfer und Migranten:
Ab sofort sind unsere Grenzen offen für alle!

Wer kommen will kann kommen, egal woher, egal warum.  Alle, die wollen, nehmen wir auf. Bringt Eure Verwandten mit, Freunde, Kinder, die Alten und Kranken. Wir haben leerstehende Immobilien ohne Ende. Millionen von Quadratmetern Knast. Wir haben Wasser, Essen und Kleidung im Überfluss. Und wir können von Euch viel mehr aufnehmen als eine Million! Wir werden unseren Reichtum einfach anders aufteilen!

Kommt alle hier her. Bringt auch Eure Bomben mit. Wir sind ja nicht unschuldig daran, dass einige von Euch zum Extremismus neigen. Bringt die auch mit – das werden wir überleben. Habt keine Angst vor Nazis, der AfD oder Seehofer. Wenn ihr zahlreich kommt, werden die Ausländerfeinde ganz von alleine verschwinden. ………
Deutschland, Deutschland ist für alle, ist für alle auf der Welt! Wenn der Rest Europas sich verweigert, dann nehmen wir die Menschen halt alleine auf. Das geht!“

(Den vollständigen, ungekürzten Text des Schlusschores finden Sie hier.)

Bemerkenswert ist, dass nicht einmal die Einladung zum Bombenimport die Mannheimer Bourgeoisie bisher aus ihrer Lethargie gerissen hat. Offensichtlich ist doch die gesamte politische Message des Herrn Lösch komplett verantwortungsloser Unsinn. Würden die Bürger den irren Vorstellungen der Theatermacher folgen, würden demnächst sicher keine Theater mehr in Deutschland subventioniert werden können, und die Sanierung des NTM könnte man sich auch sparen.

Daher müssen auch die Zuschauer am Ende jeder Aufführung ein paar Sekunden nachdenken, ob sie klatschen oder buhen sollen. Bisher haben sich die meisten wohl immer für den Applaus entschieden, den die theatralischen Leistungen verdient haben, und haben ihren politischen Groll stumm mit nachhause genommen. In der diskreten Abgeschiedenheit der Wahlkabinen werden sie dann bei späterer Gelegenheit ihre Kreuze machen.

P.S.
Warum kommt dieser Beitrag erst zwei Monate nach der Premiere? Weil es so schwierig war, den Schlusstext des Chores zu beschaffen. Wir haben es zunächst über die Pressestelle des Schauspiels versucht, dann über die Intendanz und über das zuständige Dezernat. Die einen warfen Copyright-Nebelkerzen, die anderen gingen auf Tauchstation. Offensichtlich wollte niemand, dass diese frontal gegen die Interessen der Eingeborenen und der schon länger bei uns Lebenden gerichtete Agitpropsprüche außerhalb des vermeintlich liberal-sedierten Milljöhs der Theaterbesucher wahrgenommen wird. Forensische Bemühungen dauern dann halt etwas länger.

P.P.S
Wer die von den Theaterkritikern in den Medien brav weiterverbreitete Schülertheater-Geschichtsklitterung über angebliches Asyl für alle und jeden bei den alten Griechen nicht glaubt, kann hier mehr darüber lesen:  http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/744/1/Chaniotis_Entwicklung_der_griechischen_Asylie_2007.pdf

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Deutschland schafft sich ab, Kommentar und gekennzeichnet mit Nationaltheater, NTM von ewill. Permalink

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