German Angst de Luxe Wovor unsere deutschen Eliten sich jetzt fürchten

Von Boris T. Kaiser, Mannheim

Unsere Eliten hat die Angst gepackt. Nicht etwa die Angst vor dem Terror, man ist sich in diesen Kreisen der Tatsache immer noch sehr bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit weit größer ist, mit der eigenen Luxus-Karosse nach 3 Flaschen Rotwein gegen einen Baum zu fahren, als irgendwo auf einem öffentlichen Platz in mitten des Pöbels von einem LKW überfahren zu werden. Man wird auch nicht müde Relativierungen wie diese zu betonen. Auch vor gewöhnlich-kriminellen Asylbewerbern oder sexuellen Übergriffen fürchtet man sich in rotgrünen Fraktionsbüros und den warmen Redaktionsstuben der Republik nicht. Die eigenen Töchter gehen meist auf, gut von der kulturellen Vielfalt da draußen, abgeschirmte Privatschulen und man selbst bewegt sich sowohl beruflich wie Privat nur in Gegenden, in denen die Stadt eher italienische Singvögel als nordafrikanische Asylbewerber ansiedeln würde. Sollte sich doch mal ein Neuankömmling in diese Gegenden verirren, würde er dort auffallen wie ein bunter Hund und hätte wohl nicht die, für eine vernünftige Vergewaltigung so wichtige, Ruhe und Ungestörtheit. Um all diese schnöden Dinge, die das einfach Volk in „diffuse Angst“ versetzen, muss und will man sich im linksgrünen Estbelshimient also weiterhin nicht den gutfrisierten Kopf zerbrechen. 

Worüber man sich wirklich Sorgen macht, sind Populisten, die die Opfer all der „verwirrten Einzeltäter“ instrumentalisieren, um daraus politisches Kapital zu schlagen und mal wieder gegen Flüchtlinge zu hetzten. Nur weil die Täter durch die Bank zufällig alle Flüchtlinge waren. Ebenso könnte man Winston Churchill vorwerfen, er hätte die Verbrechen der Nazis instrumentalisiert, um die Welt zum Krieg gegen die Deutschen aufzuhetzen. Schließlich waren nicht alle Deutschen Nazis und die die es waren, waren es oft nur, weil sie sonst keine soziale Perspektive für sich sahen.

Die Probleme und Themen der Zeit anzusprechen gehört zu den Kernaufgaben von Politikern. In Deutschland ist dies allerdings nur legitim, wenn man es auf eine bestimmte Art und Weise macht und auch nur, wenn es Leute tun die politisch da stehen wo es sich gehört. Nämlich links. Spricht ein Liberal-Konservativer oder gar ein Rechter die selben Themen an und gibt dabei seine Sicht der Dinge wieder, ist das Hetze, Hate Speech und moralisch an der Grenze zur Leichenfledderei.

Aufrufe zum öffentlichen Gedenken an das Opfer eines Sexualmordes oder einer terroristischen Anschlages sind das schlimmste was man machen kann. Da würde man wahrscheinlich von dem ein oder anderen linken Journalisten, Politiker und Kulturschaffenden sogar mehr Verständnis und Sympathien ernten, wenn man selbst vergewaltigt oder terrorisiert hätte. Vorausgesetzt man bringt den entsprechenden Migrationshintergrund mit, versteht sich.

Während das Gedenken an die Opfer von kriminellen oder, wie man in linken Kreisen sagt, „psychisch kranken“, Asylbewerbern höchst verwerflich, weil politische Instrumentalisierung ist, ist öffentliche Gedenken an ums Leben gekommen Flüchtlinge höchste moralische Pflicht eines jeden guten Demokraten. Denn dies Gedenken macht unsere Gesellschaft wärmer und menschlicher, während das Gedenken an deutsche Tote sie nur kälter und hasserfüllter macht. Auch das Anzünden eines Obdachlosen soll nur beklagt werden, wenn dieser klischeemäßig von Neonazis in Brand gesteckt wurde, und nicht von edlen wilden aus dem Orient.

Unser größtes Problem sind auch nach Köln, Freiburg und Berlin noch immer nicht all die vielen Araber und Nordafrikaner, von denen niemand weiss, wer sie sind und was sie im Schilde führen, sondern AfD und die sich im Aufwind befindende, politische Rechte.

So sieht das auch der König aller Salon-Linken und wirren Polit-Theorien Jakob Augstein. Wenige Tage nachdem ein abgelehnter aber dennoch nicht abgeschobener, vorbestrafter Tunesier mit einem geraubten LKW in einen Weihnachtsmarkt gerast ist, und dabei 12 Menschen tötete und dutzende verletzte schrieb er, in Bezugnahme auf die öffentliche Äußerungen von Politikern, Autoren und Philosophen, auf „Spiegel Online“:

„Der Terrorismus ist eine verachtenswerte Form der Kriminalität. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie er Deutschland verändern oder gar gefährden könnte. Das rechte Ressentiment, das längst viel weiter reicht, als der Wirkkreis der AfD misst, hat diese Macht. Wenn ich an Deutschland denke, dann fürchte ich die Rechten mehr als die Terroristen.“

So ein paar mehr Terroristen, die uns abschlachten wollen, bringen Augsteins Wohlfühl-Gefühl nicht so sehr aus dem Gleichgewicht, wie ein paar Prozentpunkte mehr für die AfD oder einige Zeilen in Blogs oder Zeitungen, die er so nicht lesen mag. Mir gefällt das was Augstein so schreibt meist auch nicht. Ich persönlich finde aber die Morde des NSU oder Brandanschläge auf Asylbewerberheime doch noch einen Tick schlimmer. Aber ich bin ja auch kein Linker.

Augstein war bei weitem nicht der Einzige, der sich nach dem Attentat in Berlin, mal wieder mehr Gedanken um den politischen Gegner als um die Opfer und ihre Angehörigen machte.

Christian Lindner stellte seine Liberalität (leider eben nicht gegenüber Poltisch Andersdenkenden) unter Beweis indem er kundtat:

„Jeder Versuch aus dem Anschlag in Berlin politisch Kapital zu schlagen, ist ein Zeichen von Charakterlosigkeit.“

Damit jeder sehen kann, von wie viel Charakter Christian Lindner erfüllt ist, tat er es via werbetauglichem Facebook-Spruchbild kund. Sein Parteifreund, oder heißt es in der FDP mittlerweile schon Genosse? Tobias Huch, der selbst sehr aktiv in der Flüchtlingshilfe ist, schrieb schon am Abend des Anschlages:

„Ich zähle die Minuten bis die AfD den Anschlag in Berlin missbraucht.“

Der Küchentisch-Psychologe in mir möchte glauben, dass solche Reaktion, von ansonsten sehr vernünftigen Leuten, eine Art Selbstschutz-Funktion haben. Lieber fürchtet man sich von der harmlosen AfD, als dass man sich von Terror-Angst und Wut auf die Täter und die die diesen politisch den Weg bereiteten, die Seele zerfressen lässt. Zumal man mit diesen Wegbereitern des Terrors ja vielleicht irgendwann nochmal wieder gemeinsam regieren will. Als Liberaler vermute ich aber eher, ein stures Festhalten an liebgewonnen Ideen und Feindbildern, auch wenn diese, bei nüchterner und pragmatischer Betrachtung, längst keinen Sinn mehr machen. Solche Verirrungen gibt es wohl in allen politischen Strömungen. Vielleicht blitzt sie da aber auch ganz einfach nur wieder auf, die alte dekadente FDP, die eine Politik für die oberen 10.000 macht, die höchstens mal einen Weihnachtsmarkt besuchen, wenn das 5-Sterne-Hotel in der Karibik einen am Strand, für seine deutschen Gäste veranstaltet.

Die üblichen Verdächtigen aus der Tagespolitik, wie Ralf Stegner oder Renate Künast lass ich jetzt einfach mal aus. Zum einen ist bei denen sowieso schon lange Hopfen und Malz verloren, zum Anderen will ich nicht, dass mir Renate Künast noch vor dem Jahreswechsel einen Hausbesuch abstattet und mir 2016 endgültig vollends versaut.

Man kann auch die Hauptangst der beiden, wie gefühlt die von zwei Drittel der etablierten Politiker, unter dem großen, allzeit passenden, Begriff „Hate Speech“ zusammenfassen. Als besonderes Highlight sei hier deshalb nur Hamburgs grüner Innensenator Till Steffen erwähnt, der eine Fahndung nach dem Terroristen, über die Facebookseite der Polizei, über mehrere Stunden verhinderte, weil er Angst vor vor Hasskommentaren hatte. Auch linke Angst essen offenbar nicht nur Seele auf, sondern manchmal auch das Hirn. So denn vorher überhaupt eins vorhanden war.

Hamburg und Bremen, beide unter rot-grüner Führung, haben im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern eine Fahndungs-Verordnung des Bundes bisher nicht umgesetzt, die der Polizei ohne Rücksprache freie Hand gegeben hätte, umgehend das Foto des Täters zu veröffentlichen. Hält man sich jetzt noch vor Augen, dass man in Berlin mit Sawsan Chebli eine Anhängerin des erzkonservativen Islams und der Scharia in höchste Ämter beruft und betrachtet das Sträuben der rot-rot-grünen Koalitionäre gegen Abschiebungen, kann man sich lebhaft vorstellen, was eine solche Parteien-Konstellation an der Regierung auf Bundesebene bedeuten würde. Das ist etwas, was einem wirklich Angst machen sollte. Nicht weil dann Andersdenkende an der Regierung wären, so viel anders als die jetzige Regierung würden sie im übrigen ja auch gar nicht denken, aber weil dann den dem Terror, den Terroristen und ihrer Ideologie wohl endgültig, im wahrsten Sinne des Wortes, Tür und Tor geöffnet werden würden. Selbst die wenigen vernünftigen Maßnahmen der Merkel-Regierung würden dann sicherlich wieder zurückgenommen werden. Bis dahin haben wir noch etwas Zeit für Luxussorgen, wie eben jene vor der Instrumentalisierung von Mord und Totschlag durch die AfD und rechte Meinungsmacher. Vielleicht kann Angela Merkel die schwarzen Schafe unter ihren Schützlinge irgendwie, zum Beispiel mit der Aussicht auf ein gemeinsames Selfie oder einer Duldungs-Garantie bis zum Tag des Attentates, dazu bringen, zumindest bis nach der Bundestagswahl, die Füße still und die Finger bei sich zu behalten. In diesem Sinne: Guten Rutsch!

 

Zuerst veröffentlicht auf der Website des Autors

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