Hatespeech gegen den Wähler Wie die Guten so ticken

Von Boris T. Kaiser, Mannheim

Die Wähler haben bei der Bundestagswahl 2017 etwas gewagt, was es in der Geschichte der Bundesrepublik so noch nicht gegeben hat. Sie haben zu einer beachtlich großen Zahl genau das gewählt, von dem ihnen alle! vom Pfarrer, über den Journalisten bis hin zum gemeinem C-Promi gesagt haben, sie sollen es auf gar keinen Fall wählen. Entsprechend verschnupft haben Deutschland Meinungswacher in den Stunden und Tagen nach der Verkündung des Wahlergebnisses reagiert. In neuen und alten Medien ist eine regelrechte Hate-Speech-Welle gegen all jene ausgebrochen, die ihr Kreuz am Wahlabend an der „falschen Stelle“ gemacht haben. Vor allem die Ostdeutschen, seit jeher das Lieblings-Mobbingopfer der linksliberalen Medien-Schickeria haben, ob der überdurchschnittlich hohen Wahlergebnisse der AfD in ihren Bundesländern, die volle Breitseite der Verachtung des moralapostolischen Medien-Klerus abbekommen. Der promovierte Medienwissenschaftler und Kommunikationsdirektor des Erzbistums Köln Ansgar Mayer schlug den Tschechen vor, wir könnten ihren Atommüll nehmen, wenn sie dafür unsere Sachsen nehmen würden. Die „Welt am Sonntag“ hatte Folgesonntag ein kitschig sauertöpfisch reinblickendes Ost-Sandmännchen auf dem Cover und titelte im pädagogisch besser-wessi-wisserischen Ton: „Wir müssen über den Osten reden (aber ganz ehrlich)“. Ein braunes Ost-Ampelmännchen habe ich nirgendwo gesehen. Dürfte es aber durchaus auch schon irgendwo gegeben haben. Falls noch nicht, bitte ich bei Verwendung ab jetzt, um eine der Verbreitungsform entsprechenden Honorar-Zahlung an mich, für die total kreative Idee.

Hasnain Kazim, Berufsmigrant des mittlerweile zum linken Kampfblatt verkommenen „Spiegel“, machte seinem Ruf als pseudojournalistischem Twitter-Troll alle Ehre, als er am Tag nach der Bundestagswahl, einen Tweet verfasste, in dem er nicht einmal den Versuch unternahm, seine elitäre Arroganz gegenüber allen „Ossis“ in irgendeiner Weise zu kaschieren:

„Höre ich solle Ostdeutsche „ernst nehmen“ Ihr kamt 1990 mit dem Trabbi angeknattert und wählt heute AfD – wie soll ich euch ernst nehmen?“

In beliebten AfD-Gegner Duktus möchte man dem Mann sarkastisch tolerant entgegnen: So etwas kann man natürlich twittern. Aber dann ist man halt scheisse.

Man mag sich auch fragen, wie Herr Kazim wohl reagieren würde, wenn man in gleicher Weise über das „Fehlverhalten“ von Flüchtlingen, oder über seine indisch-pakistanischen Eltern twittern würde, und sich genüsslich darüber auslassen würde, in was die wohl so „angeknattert“ kamen.

Apropos knattern.. Nein, die Überleitung hinkt und erzeugt schlimmer Bilder im Kopf. Deshalb lieber direkt und schnörkellos: Lassen Sie uns über Jutta Ditfurth sprechen.

Die altgrüne Wuchtbrumme aus Unterfranken setzte auf die offene Menschenverachtung von Hasnain Kazim noch einen drauf, indem sie auf einen Tweet mit den Worten, „Dresden du mieses Stück Sachsen“, reagierte und ihrerseits twitterte:

„Es war ein Fehler #Dresden wiederauzubauen. All die kuscheligen Pegidaversteher* … Merke: Nazis tätscheln macht Nazis groß.“ 

Nazivergleiche wohin man sag

Überhaupt hagelte es Nazivergleiche wohin man sah. Für die, die es vergessen haben, und das scheinen viele zu sein: Die Nazis waren nationale Sozialisten, die einen Weltkrieg vom Zaun brachen und 6 Millionen Juden ermordeten. Wo genau Ditfurth und Co die Parallelen zur AfD, oder zu den friedlichen Demonstranten in Dresden sehen bleibt ein Rätsel. Klar ist: Das Geschichtsverständnis von vielen AfD-Gegnern und selbsternannten „Antifaschisten“ grenzt schon fast an Holocaustleugnung.

Insgesamt war der vermeintlich antibraune Shitstorm auf Twitter besonders groß. Von prominenten Stimmen angestachelt, wollten gemeine User diese noch überbieten und forderten alles vom Boykott von AfD-Geschäftsleuten, über die öffentliche Kenntlichmachung von AfD-Wählern, bis hin zur Abschiebung aus Deutschland oder gar dem Einsperren in Lagern. Zwar weiss man nie, wie ernst ein solcher Spruch in einzelnen gemeint ist, die große Zustimmung selbst für menschenverachtendste Tweets gegen AfD-Anhänger zeigt aber, dass es großen Teilen der linksgrün hirngewichenen Schwarm-Intelligenzija im Kampf gegen die AfD gar nicht radikal genug zugehen kann. Im Radio werden den Hörern Tools empfohlen, mit denen sie AfD-Fans bei Facebook finden und von von ihrer Freundesliste und damit zumindest schon mal aus ihrem digitalen Leben entfernen können. Wo wir gerade bei Facebook sind: Til Schweiger war auch wütend. Aber das ist nicht weiter bemerkenswert. Til Schweiger ist eigentlich immer wütend.

Die hirngewaschenste Generation, die die „freie Welt“ je erlebt hat

Am wenigsten fassen können das AfD-Wahlergebnis all jene, die seit sie „denken“ können, nie eine legitime Meinung rechts der geistig-moralischen Sozialdemokratie erlebt haben. Die Generation, die als Kanzlerin bewusst nur Angela Merkel wahrgenommen hat und die CDU nur in deren linksgrüner Prägung kennt. Der YouTube-Star Sami Sliman twitterte:

Wie kann es wahr sein, dass eine rechte Partei im Parlament vertreten ist? Ich bin wirklich fassungslos. #BTW17

Und die 1992 geborene Bloggerin, Journalistin und Schriftstellerin Ronja von Rönne kommentierte das politische Geschehen wie folgt:

„13.5%: Ihr seid ignorante und schlechte, schlechte, schlechte Menschen. Eure Stimmen sind kein Sieg, sondern eine Niederlage für dieses Land“

Man kann diesen noch sehr jungen Menschen kennen Vorwurf machen. So klingt sie nunmal, die politisch eindimensionale Stimme, der wohl hirngewaschensten Generation, die die „freie Welt“ je erlebt hat.

„Wir sind die, die für das ganze Land denken“

Sehr wohl Vorwürfe machen kann man dagegen all jenen Politikern der etablierten Parteien, die das AfD-Ergebnis im wesentlichen mitverursacht haben, aber auch nach dem politischen Erdbeben bei den Bundestagswahlen keine Spur von Selbstkritik in sich aufkommen lassen. Stattdessen ist man auch hier zutiefst empört, über das aufmüpfige Wahlverhalten des Urnen-Pöbels. Schon vor der Wahl betrachtete man die Anti-Merkel-Demonstrationen bei CDU-Wahlkampfveranstaltung als höchstmögliche Form der Majestätsbeleidigung und tat so, als ob es wütende Demonstranten beim Auftritt eines Bundeskanzlers noch nie gegeben hätte. Jetzt da viele Menschen aber nicht nur gegen Merkel, sondern für die AfD gestimmt haben, ist Deutschlands Polit-Elite endgültig mit ihrer Geduld am Ende mit diesem Teil ihres Volkes. Die Überheblichkeit der (künftigen) Machtelite gegenüber dem Volk lässt sich sehr anschaulich in einem Satz von Katrin Göring-Eckardt zusammenfassen und auf den Punkt bringen, den sie beim Länderrat der Grünen nach der Bundestagswahl sagte:

„Wir sind die, die für das ganze Land denken.“ .

Dass Die Grünen diesen Satz anschließend auch noch ganz Stolz via Twitter verbreiteten, zeigt deutlich, wie abgehoben und von jedem Realitätssinn, auch für ihre Auswirkung, entkoppelt die Grünen mittlerweile sind.

Deutschland ist nicht die SPD

Sauer aufs Wahlvolk und voller Verachtung ist man vor allem auch in der SPD. Dies ist durchaus verständlich. Haben die 20,5 Prozent beim Wähler, im Vergleich zu den 100 Prozent für Schulz in der Partei, den Sozialdemokraten doch schmerzlich klar gemacht, dass Deutschland nicht die SPD ist. Wobei Ralf Stegner die SPD immer noch für eine „linke Volkspartei“ hält, und die demokratisch gewählten Abgeordneten der AfD aus dem Bundestag „vertreiben“ will. Die ehemalige SPD Abgeordnete Michaela Engelmeier brach, angesichts des AfD-Wahlerfolgs und des Verlusts des eigenen Mandates, gar in Tränen aus und fantasierte von einem angeblichen Fackelzug der AfD zum Reichstag, den es fernab der sozialdemokratischen Fake-News natürlich nie gegeben hat. Engelmeier, die wegen der Entscheidung der Wähler für die AfD, wie sie sagte „brechen könnte“ war nur eins von unzähligen Beispielen von Vertretern der Altparteien, die statt sich, zumindest einmal in ihrem politischen Leben, an die eigene Nase zu packen, lieber weiter gegen die AfD schießen wollten. In den politischen Talkshows wie „Hart aber fair“, war man vor allem geschlossen hart, gegenüber der AfD. Ansonsten gab es aber ein breites „weiter so!“ der etablierten Politik. Gemeinsam mit Journalisten, Kulturschaffenden und wirklich jedem A bis Z -Promi wird man sich die nächsten 4 Jahre wohl vor allem darauf konzentrieren die Stimmung gegen die AfD weiter anzuheizen. Dies wird wahrscheinlich auch weiterhin nicht ganz wirkungslos bleiben. Gewalttätigen Demonstrationen von Linksradikalen wie am Wahlabend und Brandanschläge auf Autos und künftig wohl auch auf Bundestagsabgeordneten-Büros in den Wahlkreisen, werden vermutlich nicht ab sondern zunehmen. Aufhalten wird man die AfD damit wohl kaum. Auch die nächsten Wahlen sind wieder geheim. Der Hass und die Einschüchterungen gegenüber potentiellen AfD-Wählern werden es auch dann wieder maximal bis vors Wahllokal, aber nicht bis in die Wahlkabine schaffen.

 

Zuerst veröffentlicht auf dem Blog des Autors, brainfucker.de

 

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