Heimatlose Ansichten Was denken eigentlich Rechte?

Von Eberhard Will, Mannheim

 

Was denken eigentlich Wähler (generisches Maskulinum, schließt Frauen und Männer ein), die sich von keiner der gegenwärtigen Bundestagsparteien oder der FDP vertreten fühlen? Und wie soll man sie nennen? Konservative? Rechte? Können sie einfach das Gute nicht erkennen, weil ihnen ihre Wut und ihre Menschenfeindlichkeit den Blick vernebeln? Oder denken die Abtrünnigen und Verweigerer – abgesehen von dem in jeder Gesellschaft vorhanden kleinen Quantum Verrückter – doch nicht so irrational und fern von den Werten des Anstandes, wie es die Traditionsparteien der vereinigten Großlinken und ihre Medienclaqueure immer wieder behaupten? Dem soll hier nachgegangen werden.

Es ist schwierig, einen gemeinsamen passenden Namen für die Nichtlinken zu finden. Um das Wesentliche herauszuarbeiten, halte ich mich an die politische Gesäßgeografie und unterscheide einfach nur zwischen Linken und Rechten. Nachdem in Deutschland Jahrzehnte lang alle Konservativen sich deklamatorisch in die politische Mitte drängte, sich diese Mitte aber gleichzeitig samt ihrem Gedankenvermögen auf die Linke verschmolzen hat wie eine übernahmereife GmbH, sind sie im linksgrünen Amalgam nur noch in Spuren nachweisbar. Rechts ist dagegen in Deutschland quasi herrenloses Gut, das aktuell nur wenige Radikale haben wollen. Von der Linken wird es lediglich als Schimpfwort benutzt.

Zweifellos ist rechts etwas Anderes als rechtsextrem, genauso wie links etwas Anderes bezeichnet als linksextrem. Was Extremisten sind, kann jeder in §4 Bundesverfassungsschutzgesetz nachlesen. Dem hinzufügen muss man, dass linke wie rechte Extremisten ein Faible haben für Gewaltandrohung und Gewaltanwendung in der politischen Auseinandersetzung. Demokratische Rechte wie Linke sind davon weit entfernt.

Weil alle übrigen Akteure heute irgendwie Linke sind, interessiert uns hier, was die “normalen“, nichtradikalen Rechten denken bzw. denken könnten. Sich im Kontrast zu den hier angesprochenen Themen ergänzend die Positionen der vereinigten Linken zu formulieren, bleibt aus Platzgründen dem Leser überlassen.

Also, nach meiner Beobachtung denken Rechte – auch wenn sie häufig nicht so genannt werden mögen – ungefähr wie folgt:

 

Menschenbild

Rechte haben ein Menschenbild, das nicht auf idealistischen Wunschvorstellungen beruht, sondern auf Beobachtung und Empirie. Daraus entnehmen sie, dass Humanismus, Ethik, Moral, Gerechtigkeit und Liebe ebenso menschliche Erfindungen sind, wie sämtliche Spielarten von Lüge und Gewalt, der Hinterhältigkeit, Gemeinheit und Grausamkeit, und dass von Fall zu Fall von Menschen all dies ausgelebt wird, zum gegenseitigen Nutzen und Schaden. An das Gute im Menschen glauben sie vorzugsweise auf der Basis von auf Erfahrung basierendem Vertrauen. Rechte sind also eher skeptisch als vertrauensselig.

 

Ererbtes

Rechte haben ein Faible für Vererbung. Sie beobachten, dass kluge Eltern dumme Kinder haben können, und umgekehrt, dass aber in der Mehrzahl der Fälle die Vererbungspfade von Eigenschaften des Körpers, des Charakters und der Talente sich eine bis zwei Generationen zurückverfolgen lassen. Daher glauben Rechte zwar an Erziehung und Lernen, aber nicht an die Versprechungen von Sozialingenieuren aller Couleurs, die über radikal veränderte Verhältnisse bessere Menschen schaffen wollen. Rechte sind vielmehr davon überzeugt, dass man die politischen und ökonomischen Verhältnisse so einrichten muss, dass sie mit den tatsächlich vorhandenen, durchschnittlichen Menschen zu Fortschritt, zu ordentlichen Leben für die überwiegende Mehrheit und zu zivilen Umgangsformen führen.

 

Völker

Rechte sehen es als Tatsache an, dass die Welt der Menschen von Völkern bewohnt ist. Völker haben eine – mehr oder minder – gemeinsame Abstammung, ein mehr oder weniger zusammenhängendes Siedlungsgebiet und eine von der jeweiligen Mehrheit dominierte Sprache und Kulturgeschichte. Gut dran sind Völker, die das historische Glück eines eigenen Staates haben. Nicht überraschend finden Rechte, dass in Vielvölkerstaaten regelmäßig Abstoßungsprobleme auftreten, und dass sehr viele in der Summe ziemlich unwahrscheinliche Voraussetzungen vorliegen müssen dafür, dass es wenige dennoch stabile Ausnahmen gibt, wie z.B. die Schweiz als sogenannte Willensnation. Insgesamt halten es Rechte für völlig selbstverständlich, dass es ein polnisches, dänisches, ein französisches und ein deutsches Volk gibt. Dabei sind zumindest in Nordeuropa die meisten Rechten eher stolz auf eigene Leistungen als auf glückliche Zufälle des Schicksals wie die Geburt.

 

Menschenrechte

Menschenrechte sind aus rechter Sicht zunächst einmal Ansprüche des Individuums auf Freiheit gegen den jeweils eigenen Staat, nicht gegen alle Staaten auf der Welt. Sie beinhalten z.B., dass kein Staat seine Bürger an der Ausreise hindern darf, aber sie können nicht bedeuten, dass Menschen sich das Land ihrer Wahl aussuchen können, dort illegal einreisen und dann die gleichen Rechte genießen wie Staatsbürger. Rechte wissen, dass sich so jeder Sozialstaat selbst zerstören würde – zuerst der mit den höchsten Sozialleistungen und den liberalsten Gesetzen.
Rechte akzeptieren nicht, wenn insbesondere Gerichte auf europäischer Ebene dazu neigen, alle Unterscheidungen zwischen Einheimischen und Fremden einzuebnen. Für sie zählt der Grundsatz, dass Blut dicker ist als Wasser, und dass ältere Rechte mehr zählen als jüngere.

 

Bürgerrechte

Rechte glauben, dass ihre Bürgerrechte ein wertvolles Erbe sind, das für die gegenwärtigen Staatsbürger drastisch an Wert verliert, wenn man es zu großzügig an Zuwanderer verteilt. Namentlich für das Wahlrecht gilt aus ihrer Sicht, dass man es nur in einem Staat ausüben können sollte und erst nachdem man volljährig ist. Sie wollen es grundsätzlich nur mit Bürgern teilen, die vor den Folgen falscher Wahlentscheidungen nur ebenso schwer davonlaufen können wie sie selbst. Und sie wollen nicht, dass Menschen wählen, denen in Strafsachen fehlende Reife und Einsichtsfähigkeit zugebilligt wird.

 

Geschichte

Rechte haben ein Interesse an Geschichte und ein Geschichtsbild, in das sie häufig einige Lesearbeit investiert haben. Kluge Rechte in Deutschland haben ein integriertes Geschichtsbild, in dem nicht nur die Leistungen, sondern auch die Verbrechen vorkommen, nicht nur Staaten und Kriege, sondern auch Sozial- und Technikgeschichte, Wirtschafts- und Kulturgeschichte. (Dumme Rechte haben ein selektives Geschichtsbild und neigen zu Verschwörungstheorien.) Entspannt betrachtet macht es für sie Sinn, die Spuren der heutigen Deutschen etwa 1200 Jahre zurückzuverfolgen. Deren Wirken in der und für die Welt bewerten sie trotz der phasenweisen Untaten der Nazis per Saldo positiv.

Sie halten es für geboten, dass die Verbrechen aller Menschen und Völker irgendwann juristisch verjähren und historisiert werden, weil man nur so aus endlosen Reparationsforderungen und Vergeltungsphantasien herauskommt.

 

Bevölkerung

Für Rechte steht fest, dass alle Völker daran interessiert sein sollten, sich auf problemangemessene Weise um ihre Reproduktion und Bevölkerungsentwicklung Gedanken zu machen. D.h., wenn die Bevölkerung so schnell wächst, dass sie sich nicht mehr selbst ernähren kann, die Bildung nicht gesteigert werden kann und sie verarmt, weil das Wirtschaftswachstum mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten kann, ist rigide Geburtenkontrolle – wie bis vor kurzem in China – angesagt. Demgegenüber ist für Rechte eine pronatalistische Bevölkerungspolitik geboten, wenn ein dauerhaftes, gravierendes Geburtendefizit das Volk bzw. die Autochthonen tendenziell aussterben lässt. D.h., man muss nach etlichen Jahrzehnten des falschen Trends irgendwann anfangen zu handeln.

 

Kulturelles Erbe

Rechte sind davon überzeugt, dass man das eigene, deutsche kulturelle und zivilisatorische Erbe (Recht, Kultur, Wissenschaft, Technik usw.) an den eigenen Nachwuchs zwar auch nur mit Verlusten weitergeben kann – sonst gäbe es keinen Fortschritt, aber immer noch deutlich erfolgreicher als an die meisten Zugewanderten, insbesondere kulturfremde. Dies umso mehr, wenn kulturaffine, benachbarte Zuwanderer eingeschränkt zur Verfügung stehen, da deren Völker die gleichen demografischen Probleme haben. Rechte finden in der Geschichte keine Beispiele dafür, dass Masseneinwanderung aus zivilisatorisch weniger entwickelten Kulturen friedlich verlief und eine positive Bereicherung war für die Eingeborenen.

Das kulturelle Erbe ist neben der Abkunft, der Sprache und dem Staatsgebiet die grundlegende Gemeinsamkeit eines jeden Volkes. Für Rechte ist es ein auch subjektiv wichtiger, identitätsstiftender Faktor. Daher leiden sie manchmal darunter, dass jedes Jahr neues kulturelles Erbe entsteht, und ein Teil des tradierten in Vergessenheit geraten muss.

 

Zuwanderung

Rechte sind davon überzeugt, dass Zuwanderung nur dann funktioniert und insofern akzeptabel ist, wenn die Zahlen zu klein sind, um Parallelgesellschaften zu bilden und der Assimilationsdruck ausreichend groß. Rechte halten “Integration“ für einen Euphemismus für Parallelgesellschaften. Aus ihrer Sicht sollte man keine jungen Männer ins Land lassen, die so gut wie keine deutsche Frau heiraten würde. Und man sollte keine Familien ins Land lassen, die ihre Töchter in der Regel keinen deutschen Mann heiraten lassen würden. Man könnte auch sagen, Rechte halten die Gattenwahl durch die Töchter für einen verteidigenswerten kulturellen Vorsprung, der im Übrigen auch die Einehe als Regel nach sich zieht.

Rechte empfinden – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Westeuropa – früher oder später Überfremdung als Folge von Beobachtungen und Erlebnissen. Dazu müssen sie nicht selbst in entsprechenden Gegenden wohnen, so wie andere für ihr Engagement nicht im Regenwald oder bei den Walen leben müssen.

 

Islam

Rechte halten den Islam der Gelehrten und der Frommen für eine totalitäre politische Ideologie und den Stopp der Türken vor Wien und die spanische Reconquista für historische Glücksfälle. Sie halten einen säkularisierten Euroislam auf unabsehbare Zeit für mehr als unwahrscheinlich. Daher lehnen sie weitere Zuwanderung aus muslimischen Ländern grundsätzlich ab, auch als Familiennachzug. Sie sehen in den Herkunftsländern eine Fülle von traditionellen zivilisatorischen Defiziten, die sie nicht fortgesetzt importieren möchten. Besonders schädlich ist aus ihrer Sicht der schon jahrhundertealte Mangel an wissenschaftlicher, technischer und industrieller Tradition. Dass eine notwendigerweise globale Wirtschaft überall auf der Welt international tätige Expatriates als Manager, Händler, Techniker und Logistiker benötigt, akzeptieren Rechte dagegen als selbstverständlich und positiv.

Rechte finden sowohl das eigene Reisen als auch fremde Touristen prima, lehnen es aber ab, durch Masseneinwanderung neue Vielvölkerstaaten und neue Rassenprobleme erst zu schaffen.

 

Familie

Rechte halten für eine Gesellschaft, in der die Menschen sozialen Halt finden sollen, stabile Kleinfamilien, in denen Kinder aufgezogen werden, und die sich um Großeltern kümmern können, als Regelfall für unentbehrlich. Dazu halten sie es für erforderlich, dass sich genügend junge Paare zusammentun, in der festen Absicht Kinder zu haben und lebenslang zusammenzubleiben. Dass letzteres nicht immer glückt, ändert für Rechte nichts an der Richtigkeit des Grundsatzes. Daher wollen sie, dass für dieses Modell die rechtlichen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass es größtmögliche Erfolgschancen hat.
Großfamilien in Clangesellschaften sind für Rechte eine wesentliche Grundlage für deren patriarchalische Rückständigkeit und demokratische Unterentwicklung. Rechte halten Ehen zwischen Cousins und Cousinen für Inzucht und finden, dass man diese weder den Nachkommen noch dem Sozialstaat zumuten sollte.

 

Natürliche Geschlechter

Rechte halten es für eine Binsenweisheit, dass die Geschlechterrollen zusammen mit allen übrigen kulturellen und moralischen Konventionen einem ständigen Wandel unterworfen sind. Sie sind jedoch davon überzeugt, dass die biologischen Geschlechter Mann und Frau keine “Konstrukte“ und deren geschlechtliche Reproduktion für die Existenz der Menschheit konstitutiv sind. Dieser grundsätzliche Standpunkt steht nicht im Gegensatz dazu, dass die Evolution daneben auch beim Menschen eine beachtliche körperliche und sexuelle Vielfalt hervorgebracht hat, mit Anspruch auf sozialen Schutz und soziale Rechte. Insofern haben auch Rechte heute keine Einwände mehr gegen vielfältigen Sex unter Erwachsenen, wenn er denn einvernehmlich erfolgt. Jedoch halten Rechte diverse Gendertheorien und deren Ableitungen für unwissenschaftlichen, ideologischen Unsinn, der nicht an Hochschulen zur Erlangung politischer Vorteile für Aktivisten gefördert werden soll.

 

Bildung

Das Bildungssystem muss für Rechte so konstruiert sein, dass an die immer neuen Kohorten der jungen Generation das Wissen, die Fähigkeiten und das Arbeitsethos weitergegeben werden, die benötigt werden, um die komplizierte Maschine einer modernen, demokratisch verfassten Industriegesellschaft weiter zu betreiben und ständig zu modernisieren. Dafür muss das Bildungssystem fordernd und leistungsorientiert sein. Selektivität muss den Wert von Abschlüssen sichern und vermeiden, dass Absolventen im Nirwana nutzloser Titel und Grade landen. Durchlässigkeit und aufmerksame Lehrer müssen dafür sorgen, dass Talente auch unabhängig von den Eltern entdeckt und gefördert werden.

Rechte sind fest davon überzeugt, dass Schule zwar nicht das Wissen der Welt vermitteln kann, dass aber ohne eine Basis aus Faktenwissen weder kritisches Denken noch Orientierung in der Informationsflut des Internet wenigstens annähernd funktionieren können.

 

Europa

Kluge deutsche Rechte halten es nicht für eine romantische Übertreibung, dass die europäische Einigung ein Thema von Krieg und Frieden ist. Natürlich sehen sie, dass die europäischen Staaten längst nicht mehr über genügend jugendliches Kanonenfutter verfügen, um sich gegenseitig zu überfallen. Sie sind sich jedoch nicht sicher, dass die 1913er Dämonen des Nationalismus wirklich alle in den Weltkriegen verendet sind. Daher unterstützen sie eine vertrauensvolle multilaterale Zusammenarbeit in einem Europa der Vaterländer. Auf den Gebieten Außenhandel und Zölle, Wettbewerbsrecht, Fischerei, atomare Sicherheit und grenzüberschreitende Strafverfolgung sehen sie gute Gründe, nicht allzu viel zu verändern, während die derzeit gemischten Zuständigkeiten zurück sollten in die nationale Verantwortung.

Eine EU-Regierung, EU-Steuern, Schuldenvergemeinschaftung und europaweite Sozialsysteme lehnen Rechte kategorisch ab. Für sie muss wie in einer Wohngemeinschaft der Grundsatz gelten, dass jeder für sich selbst wirtschaftet.

Dumme und leichtsinnige deutsche Rechte fühlen sich großartig, wenn sie zusammen mit einigen europäischen Nachbarparteien vom Austritt aus der EU schwärmen.

 

Euro

Rechte halten den Euro für eine aus Kurzsichtigkeit und Stolz geborene französische Erfindung, die sich die Deutschen in einer schwachen Stunde haben aufzwingen lassen. Für sie ist es ein Verbrechen, sehr unterschiedlich starken Volkswirtschaften eine Einheitswährung überzustülpen, die für die eine zu stark für andere zu schwach ist. Rechte sehen es so, dass in den verschiedenen Ländern die Innovationskraft, die Produktivität und die Inflationsneigung mehr oder minder untrennbar mit dem jew. kulturellen Erbe und den Volkscharakteren verbunden sind. Dafür stellt die eigene Währung, die man auf- oder abwerten kann ein Korrektiv zur Verfügung, das ohne fremde Bevormundung in eigener Verantwortung eingesetzt werden kann.

Rechte sind davon überzeugt, dass keine Volkswirtschaft auf Dauer gegen eine zu starke Zwangswährung gewinnen kann, und dass Deindustrialisierung und Massenarbeitslosigkeit in den Euro-Südländern die direkten Folgen sind. Ebenso halten sie es für eine soziale Schieflage, wenn – wie in Deutschland – eine zu schwache Währung die Massenkaufkraft für Importgüter schwächt, während die Exporteure immer reicher werden.

 

Technischer Fortschritt

Rechte sind davon überzeugt, dass alle zivilisatorischen und humanen Fortschritte, die die Menschheit im Laufe ihrer Entwicklung erzielt hat, die technischen Fortschritte und die daraus gewonnenen Produktivitätssteigerungen zur notwendigen Voraussetzungen hatten. Natürlich ist es schwer messbar, wie viel die Anwendung besserer Produktionstechniken dazu beigetragen hat, menschliche Dummheit, Gemeinheit und Grausamkeit einzudämmen. Aber der Anteil der Menschen, die in relativem Frieden leben, war noch nie so hoch wie in der Gegenwart. Das Gleiche gilt für die Lebenserwartung, für Arbeitserleichterung und für Komfort. Daher setzen Rechte auf die Chancen des technischen Fortschrittes auf allen Gebieten und vertrauen darauf, dass neu entstehende Risiken ebenso tragbar sein werden wie in der Vergangenheit.

 

Soziales

Rechte haben teil am breiten deutschen Grundkonsens zu den sozialen Aufgaben des Staates. Er reicht ziemlich bruchlos von Bismarck über die Weimarer Republik und die Nazis bis in die wiedervereinigte Bundesrepublik. Dissens gibt es heute in der Regel nur darüber, was den Steuer- und Beitragszahlern, die alles finanzieren müssen, zumutbar ist, ohne dass sie sich wehren. Eher selten noch darüber, bis wohin man die Lebensrisiken vergemeinschaften kann, ohne dass die Antriebskräfte der Arbeitsgesellschaft erlahmen.
Wenn das Wissen über die komplizierte Materie verbreiteter wäre, wäre es eine rechte Position, dass wieder ein Zusammenhang hergestellt werden muss zwischen dem Erwerb von Ansprüchen an das staatliche Rentensystem und der Aufzucht von Kindern, die die künftigen Renten erwirtschaften müssen. Dieser Zusammenhang war im Entwurf des heutigen Rentensystems enthalten. Adenauer hat ihn aus politischem Opportunismus gekappt.

 

Freiheit der Wissenschaft

Freiheit der Wissenschaft in Forschung und Lehre ist nach rechter Überzeugung notwendige Voraussetzung für Erkenntniszuwachs und die Ausbreitung und Weitergabe von Wissen. Rechte sehen die Freiheit der Naturwissenschaften jedoch ständig bedroht durch staatliche Einmischung unter verschiedenen Vorwänden. Getarnt als Ethik sorgen grüne und religiöse Denkverbote und linke Political Correctness für den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und einen Verlust an Forschungstalenten. Die Forschungsfreiheit und die Explorationskraft der Sozialwissenschaften sehen Rechte beeinträchtigt durch die immer mehr verlangte Drittmittelfinanzierung durch politisch voreingenommene Auftraggeber, z.B. diverse Stiftungen. Was die gar nicht erst wissen wollen, kann heute kaum noch erforscht werden.

 

Außenpolitik

Rechte setzen das Eintreten für deutsche Interessen in der internationalen Politik nicht gleich mit Nationalismus. Sie sind skeptisch bezüglich der sog. werteorientierten Außenpolitik, weil diese ständig Belehrungen in der Welt verteilt, dadurch Konflikte schürt oder neue schafft. Sie sind auch skeptisch gegenüber dem globalen Multilateralismus wenn die führenden Beteiligten entweder zu stark dominieren oder zu sehr ausgebeutet werden. Rechte halten es für einen Witz, wenn UN-Delegierte aus lauter Diktaturen Statements abgeben über angeblichen Rassismus in Deutschland.

Rechte halten geopolitische Argumente für legitim und nehmen geopolitische Interessen ernst. Die muss man nicht alle akzeptieren, aber wenn man es nicht tut, wird es Folgen haben.

Rechte lehnen “Regime Change“ und die dadurch motivierten Interventionen ab. Sie glauben, dass man eine staatliche und gesellschaftliche Ordnung nicht von außen aufzwingen kann, wenn die Adressaten dies nicht wollen oder einfach nicht verstehen, worum es geht.

 

Militär

In Nachkriegsdeutschland gibt es keine Fälle, in denen es Rechte gewesen wären, die als erste oder am lautesten für militärische Interventionen plädiert hätten. Ihnen ist klar, dass es auch aus der Sicht der Sieger nur wenige wirklich erfolgreiche Kriege gab. In der Regel zogen sie irgendwann den nächsten Krieg nach sich.  Daher wundern sich Rechte auch nicht darüber, dass es in den letzten Jahrzehnten nie die Militärs waren, die für militärische Aktionen plädiert haben, sondern immer die Politiker.

Dennoch sind Rechte immer der Auffassung, dass mehr für Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit ausgegeben und getan werden sollte. Sie würden es aber für richtig halten, wenn zusätzliche Investitionen auch zu einem Zuwachs an Kampfkraft, also Abschreckung, führen würden.

 

Rechtsstaat

Rechte sehen die Bindung des Staates an das Recht vielfach verletzt und bedroht. Bei der kombinierten Euro-, Griechenland- und Bankenrettung sehen sie zig-fach nicht nur Verträge über den Euro und die Europäische Zentralbank gebrochen, sondern auch die Rechte der nationalen Parlamente verletzt. Zu viele Rechtsfragen werden der nationalen Gerichtsbarkeit entzogen. Der Europäische Gerichtshof reklamiert für sich zu viele Zuständigkeiten und fällt mal falsche, mal schlecht formulierte Urteile. Bei der Abwägung, welche Rechte Zuwanderer haben bei der Praktizierung mitgebrachter kultureller und religiös begründeter Gebräuche, sehen Rechte häufige Fehlurteile. Rechte sind der Auffassung, dass die Einheimischen die älteren Rechte haben, und dass ihr eigener Staat Überfremdungstendenzen wirksam abwehren muss. Darin sehen sie keine Diskriminierung.

Sie glauben, dass zu wenige Grenzkontrollen ein Förderprogramm für organisierte Kriminalität darstellen, und dass bei Rohheits- und Betrugsdelikten zu großzügig Bewährungsstrafen verhängt werden. Für sie muss strafbares Fehlverhalten immer Konsequenzen haben, die auch als solche empfunden werden.

 

Energie

Rechte sind fest davon überzeugt, dass preiswerte und zuverlässig verfügbare Energie in Form von Strom und Wärme die Grundlage von jeglichem Wohlstand sind. Dass die schon nach der kleinen Eiszeit begonnene und seit zwanzig Jahren kaum noch stattfindende geringe durchschnittliche Klimaerwärmung menschengemacht sei, bezweifeln Rechte. Sie lesen auch die skeptischen Wissenschaftler und sehen die Sonnenaktivitäten als wichtigsten Klimamotor. Für sie hat eine zuverlässige Stromversorgung Vorrang, solange die absolut geringen deutschen Einsparungen am weltweiten Zuwachs des CO²-Ausstoß nichts ändern können. Dekarbonisierung heißt für sie Deindustrialisierung, und Deindustrialisierung heißt Armut. Aus rechter Sicht hat keine Regierung das Recht, auf einer mehr als dürftigen Wissensbasis dem eigenen Volk zugunsten künftiger, vermeintlich höherer Güter schon heute weniger Wohlstand zu verordnen.

 

Demokratie

Rechte wissen, dass es auf der Welt keine anderen akzeptablen Demokratien als solche westlicher Prägung gibt, und das diese es sind, die trotz Unvollkommenheiten ein Maximum an Freiheit und Wohlstand hervorbrachten. Die demokratischen Rechten  schätzten wie die demokratische Linke die Grundrechte der Staatsbürger, ebenso freie Wahlen, die Gewaltenteilung, den Rechtsstaat und den Sozialstaat. Zusätzlich lesen sie im deutschen Grundgesetz, dass das Volk seine Macht durch Wahlen und Abstimmungen ausübt. Solche Abstimmungen (Volksentscheide) gibt es in den Ländern und Kommunen, aber entgegen dem Text der Verfassung nicht zu den Themen des Zentralstaates, also z.B. zum Euro oder zur Abgabe von Souveränitätsrechten oder zur Masseneinwanderung. Hier sehen Rechte Nachholbedarf – auch diejenigen, die die britische Brexit-Entscheidung im Ergebnis für falsch halten.

 

Fazit

Die oben skizzierten Ansichten – und nicht etwa die der Rechtsradikalen – sind gemeint, wenn der linksgrüne Komplex den “Kampf gegen Rechts“ proklamiert und millionenschwer aus Steuergeldern finanziert. Diese Beschreibung rechter Positionen ist nicht vollständig und will dies auch nicht sein. Natürlich kann niemand rechte Standpunkte endgültig und allgemeinverbindlich beschreiben wollen – ebenso wenig wie linke oder “mittige“. Dazu sind sie zu vielfältig. Außerdem sind politische Positionen niemals völlig widerspruchsfrei. Das schaffen nicht einmal professionelle Philosophen. Aber hier geht es um das Grundsätzliche, nicht um Details aus allen Politikfeldern.

Bei den angesprochenen Themen treffen sich Meinungen mit Persönlichkeitsstrukturen. Natürlich ist fast jedem Leser aufgefallen, dass viele heutige Anhänger der vereinigten Linken bei jeweils verschiedenen der angesprochenen Themen empört sagen werden: “Dieser Meinung bin ich auch, aber deswegen bin ich noch lange kein Rechter! Ich bin und bleibe vielmehr ein Anhänger von LinkeGrüneSPDFDPCDU.“

Wenn das nur für zwei oder drei Punkte gilt, mag das links Bleiben und das links Wählen gut gehen. Immerhin hat man im eigenen Lager ein paar Freunde und einige gute Erinnerungen. Wer aber der deutlichen Mehrheit der hier aufgestellten Thesen im Kern zustimmt, der sollte nochmal über seine humane und politische Verantwortung für sein Land nachdenken. Vielleicht ist er innerlich längst bei Links ausgetreten, bleibt aber äußerlich aus menschlich verständlichen aber nicht gerade supermoralischen Gründen beim alten Haufen – einfach aus Gewohnheit. Manche Leute entschließen sich jedoch, irgendwann ihren wirklichen Werten und ihrem inneren Kompass zu folgen – es könnte befreiend auf das Denken wirken und neues Engagement ermöglichen.

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